Aspirin gegen den Zelluntergang bei Parkinson

Eine neue wissenschaftliche Studie fand heraus, dass Salicylsäure, der Wirkstoff von Aspirin, einen Vorgang in den Hirnzellen blockiert, welcher bei Patienten mit Parkinson zum Zelltod führt. Die Ergebnisse dieser Studie wurden im November 2015 in der 25. Ausgabe der internationalen Online-Fachzeitschrift der Public Library of Science PLOS ONE publiziert.

Wie bei vielen anderen Medikamenten wurde die Salicylsäure ursprünglich aus Pflanzen gewonnen. Professor Daniel Klessig, ein Biologe der Cornell Universität fand bei seinen Untersuchungen an Pflanzen heraus , dass Salicylsäure an ein Enzym namens GAPDH bindet. Enzyme sind "Zündkerzen" für den Stoffwechsel, ohne sie läuft im Körper gar nichts. GAPDH (Glycerinaldehyd-3-phosphat-Dehydrogenase) ist wichtig für den Zuckerstoffwechsel in der Zelle. Ihm war bekannt, dass der bei Parkinson-Patienten eingesetzte MAO-B-Hemmer Selegilin ebenso an dieses Enzym binden kann.

Gemeinsam mit seinem Forscherteam untersuchte er mit HTS, ob Salicylsäure nicht nur in Pflanzen, sondern auch beim Menschen an GAPDH bindet und ob es eine Selegilin-ähnliche Wirkung auf Parkinson-Symptome hat. Unter HTS - englisch High-Throughput-Screening  - übersetzt Hochdurchsatz-Screening, versteht man in der Medizin und Pharmaforschung eine automatisierte Methode, bei der im Schnellverfahren Zehntausende bis Millionen von Molekülen biochemisch, genetisch oder pharmakologisch getestet werden. Mit dieser Methode wird nach neuen, biologisch aktiven Stoffen gesucht, aus denen neue Arzneistoffe entstehen könnten.

Dabei untersuchten sie verschiedene Arten von Salicylsäure und deren Einfluss auf den Zelltod in der menschlichen Zelle.

Ergebnisse:

  • Salicylsäure bindet an und blockiert das menschliche Enzym GAPDH
  • Wenn menschliche Zellen mit Salicylsäure vorbehandelt werden, sind sie vor der schädlichen Wirkung von GAPDH vermittelten Reaktionen (Zelltod) geschützt

Fazit:
Es gibt widersprüchliche epidemiologische Studien über eine mögliche schützende Rolle von nicht-steroidalen entzündungshemmenden Medikamenten wie Aspirin bei Parkinson. Die neue Studie gibt Einblick in die molekulare Grundlagen über die Wirkung von Salicylsäure bei dieser Erkrankung. Allerdings sind noch zahlreiche weiterführende Studien erforderlich, um den exakten Wirkmechanismus genau zu ergründen.

Der Wissenschaftlicher warnt jedoch davor, Aspirin einfach vorbeugend einzunehmen. Besonders bei längerer Anwendung können schwere Nebenwirkungen wie Blutungen im Magen-Darm-Trakt auftreten.

Anmerkung:
Innerhalb des Krankheitsverlaufes kann es zu entzündlichen Veränderungen der Nervenzellen im Gehirn kommen, es ist jedoch noch nicht klar, ob dies Ursache oder Folge der Erkrankung ist.

Literatur:
Choi WC, Tian M, Manohar M, Harraz MM, Park S-W, Schroeder FC, Snyder SH, Klessig DF. (2015) Human GAPDH Is a Target of Aspirin?s Primary Metabolite Salicylic Acid and Its Derivatives.

PLOS ONE http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0143447

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