Ernährung bei Parkinson: Milch – ja, aber nicht fettarm!

Dr. med. Ilona Csoti

Laut einer aktuellen Studie könnte fettarme Milch das Risiko erhöhten, einen Morbus Parkinson zu entwickeln.

In zwei großen US-Längsschnittstudien zur Gesundheit Nurses‘ Health (80 736 Personen) und Health Professionals (48 610 Personen) wurden die in den Studien eingeschlossenen Menschen über 26 bzw. 24 Jahre beobachtet. In dieser Zeit erkrankten 1036 an einem Morbus Parkinson. Die Ernährungsgewohnheiten wurden zweimal jährlich mit einem Fragebogen erfasst. Milchprodukte allgemein hatten keinen Einfluss auf das Parkinson-Risiko. Für Personen, die fettreduzierte Produkte zu sich nahmen, war das Risiko jedoch um 34 % erhöht, wenn sie diese täglich (mehr als 3 Portionen) zu sich genommen hatten. Dies betraf insbesondere entrahmte und fettreduzierte Milch. Es gab keinen Unterschied zwischen Frauen und Männern. Auch die Mikronährstoffe in der Milch, wie Laktose, Kalzium oder Vitamin D, hatten keinen Einfluss.

Für den Konsum von Vollfett-Milchprodukten war das Risiko eher verringert, jedoch ohne statistische Signifikanz.

Einer Übersichtsarbeit zufolge, die noch drei weitere Studien zur Ernährung (mit 1725 Parkinson- Fällen) einschloss, war das relative Risiko für einen Morbus Parkinson bei extrem hohem Konsum von Milch sogar um 56% erhöht. In dieser Auswertung war auch die Assoziation zwischen Gesamtzufuhr an Milchprodukten und dem Morbus Parkinson mit einer Risikosteigerung um 27% signifikant.

Persönlicher Kommentar

Einen Beweis für das Auslösen eines M. Parkinson durch fettarme Milch liefert die Studie natürlich nicht. Das Erkrankungsrisiko war unter dem Strich 1 % im Verlauf von 24 bzw. 26 Jahren gering. Der Verzicht auf fettarme Milchprodukte ist deshalb keine sichere Methode zur Parkinson-Vermeidung. Trotzdem gab es ja einen Unterschied. Im Kommentar der unten genannten Neuro-Depesche (Quelle) wird eine erhöhte Pestizid Aufnahme als wenig wahrscheinlich angesehen, obwohl dies in früheren Studien diskutiert wurde. Dem ist zuzustimmen, da die Quelle beider Milchprodukte identisch war. Beide Milchprodukte kommen von Kühen, die möglicherweise Pestizide über die Nahrung aufgenommen haben. Aus meiner Sicht sollte über die Herstellungsmethoden fettarmer Milch als Ursache nachgedacht werden. Sie wird ja auch wegen des höheren Zuckergehaltes von Ernährungsmedizinern eher nicht empfohlen.  

Ich werde meine Ernährung umstellen, insbesondere aufgrund der vielen Vergleichsstudien im Bereich Ernährungsmedizin. Ich hoffe, die Studie kann Sie zum Nachdenken anregen.

Quellen: https://www.neuro-depesche.de/nachrichten/parkinson-risiko-durch-fettreduzierte-milch/, Zugriff 21.02.2018

Hughes KC et al.: Intake of dairy foods and risk of Parkinson disease. Neurology 2017

[Epub 8. Juni; doi: 10.1212/WNL.0000000000004057]

Honglei C, Karen M. Milk consumption and the risk of nigral degeneration. Neurology  2016, 86 (6) 496-497; DOI: 10.1212/WNL.0000000000002268

Abbott RD et al. Midlife milk consumption and substantia nigra neuron density at death. Neurology. 2016 Feb 9; 86(6): 512–519. doi: 10.1212/WNL.0000000000002254

D. Abbott, G. W. Ross, H. Petrovitch, K. H. Masaki, L. J. Launer, J. S. Nelson, L. R. White, C. M. Tanner. Midlife milk consumption and substantia nigra neuron density at death. Neurology, 9. Dezember 2015; (Milchverzehr im mittleren Alter und Nervenzelldichte der Substantia nigra zum Zeitpunkt des Todes)

American Academy of Neurology, Pesticide found in milk decades ago may be associated with signs of Parkinson’s, 9. Dezember 2015, (Pestizide, die vor Jahrzehnten in der Milch gefunden wurden, könnten im Zusammenhang mit Parkinsonanzeichen stehen)

Ross GW, White LR et al., Brain Organochlorines and Lewy Pathology: The Honolulu-Asia Aging Study, Movement Disorders, September 2012, (Organochlorverbindungen im Gehirn und Lewy-Körperchen-Pathologie)

German D et al. Elevated Serum Pesticide Levels and Risk of Parkinson Disease, Juli 2009, Archives of Neurology, doi 10.1001/archneurol.2009.89, (Erhöhte Pestizidwerte im Serum und das Parkinson-Risiko)

Park M, Abbott RD et al. Consumption of milk and calcium in midlife and the future risk of Parkinson disease. Neurology, März 2005, (Milch- und Calciumverzehr im mittleren Alter und das zukünftige Risiko für Parkinson)

 

 

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