Denken Sie an die Grippeschutzimpfung

Dr. med. Ilona Csoti, Oktober 2020


 

Das Thema Impfungen ist nicht erst seit der globalen Suche nach einem Vakzin gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 (COVID-19) von hoher Relevanz. Im Herbst steht die Impfung gegen die jährliche Influenza zur Verfügung8. Allein in der Saison 2018/19 gab es in Deutschland rund 182.000 labordiagnostische Grippe-Fälle.1 Für Patienten mit Parkinson-Syndromen aber stellt die Influenza eine besondere Gefährdung dar. Im Frühjahr 2020 wurde eine Forschungsarbeit der Arbeitsgruppe um Professor Carsten Korth (Institut für Neuropathologie am Center for Advanced Imaging der HHU und Prosetta Biosciences, USA) veröffentlicht, in welcher gezeigt werden konnte, dass Influenzaviren direkt bestimmte Abbauvorgänge in Hirnzellen hemmen.2 Dadurch kommt es zur Anhäufung bestimmter Eiweißklümpchen, die auch mit der Parkinson-Krankheit in Verbindung stehen. Bei gesunden Menschen wird das Eindringen dieser Viren in das zentrale Nervensystem normalerweise durch das Immunsystem verhindert. Handelt es sich jedoch um sehr aggressive Virusstämme oder ist der Patient immungeschwächt, kann dieser Abwehrmechanismus durchbrochen werden. Erste Hinweise dazu gab es bereits in Arbeiten von 2009 und 2012.3,4 Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt ausdrücklich die jährliche Grippe-Impfung für Risikogruppen, wie chronisch kranke Menschen mit Parkinson.5 Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Auseinandersetzung des Immunsystems mit SARS-CoV-2 durch eine in zeitlicher Nähe verabreichte Impfung negativ beeinflusst wird.4 Anstehende Routineimpfungen entsprechend den STIKO-Empfehlungen sollen grundsätzlich nur bei akuten, schweren Erkrankungen verschoben werden.4

Ganz aktuell ruft die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) mit der Kampagne „Wir kommen der Grippe zuvor” zur Grippeschutzimpfung auf und weist auf die Bedeutung der Impfung im Kontext der SARS-CoV-2-Pandemie hin.

Insbesondere Risikogruppen sollten sich im Herbst mit der Grippeschutzimpfung vor einer möglichen Influenzainfektion schützen, da sie ein erhöhtes Risiko für einen schweren Grippeverlauf haben, so die BZgA.

Ziel ist, dass in der Pandemie möglichst viele Menschen durch eine Impfung vor der Grippe geschützt sind, um zu verhindern, dass der Höhepunkt der Grippeinfektionen mit einem möglichen Anstieg an Corona-Infektionen zusammenfällt.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Grippeschutzimpfung für Personen ab 60 Jahren, chronisch Kranke aller Altersstufen, Schwangere, Medizin- und Pflegepersonal, Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sowie Kontaktpersonen bestimmter Risikogruppen. © dpa/EB/aerzteblatt.de

Literatur:
1. Robert-Koch-Institut. Bericht zur Epidemiologie der Influenza in Deutschland, Saison 2018/19, Berlin 2019.
2. Marreiros R et al. Disruption of cellular proteostasis by H1N1 influenza A virus causes α-synuclein aggregation. PNAS 2020; 117(12):6741-6751.
3. Jang H et al. Highly pathogenic H5N1 influenza virus can enter the central nervous system and induce neuroinflammation and neurodegeneration. PNAS 2009.
4. Harris MA et al. Association of Parkinson's disease with infections and occupational exposure to possible vectors. Mov Disord. 2012 Aug;27(9):1111-7.
5. Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut. Epid Bull 2019;34: 313–364.
6. Robert-Koch-Institut Epid Bull;18,2020.
7. BZgA ruft zur Grippeschutzimpfung auf. https://www.aerzteblatt.de.
8. Impfen bei Multipler Sklerose. newsletter@aend.de, 04.10.2020.

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