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Eisenchelator hilft bei unbehandeltem Morbus Parkinson nicht
Deferipron ist zur Behandlung einer bestimmten Bluterkrankung (Thalassämie) bereits zugelassen. Die von dieser Krankheit Betroffenen haben zu viel Eisen im Blut. Das Medikament bindet dieses Eisen (Eisenchelator), so dass dieses ausgeschieden werden kann und beseitigt so den Eisenüberschuss im Körper.

Jan 27, 2023

Dr. med. Ilona Csoti


FAIRPARK 2 Studie (NCT00943748)

Deferipron ist zur Behandlung einer bestimmten Bluterkrankung (Thalassämie) bereits zugelassen. Die von dieser Krankheit Betroffenen haben zu viel Eisen im Blut. Das Medikament bindet dieses Eisen (Eisenchelator), so dass dieses ausgeschieden werden kann und beseitigt so den Eisenüberschuss im Körper.

Aufgrund der Annahme, dass der erhöhte Eisengehalt in der Schwarzen Substanz (Substantia nigra – SN) von Parkinsonpatienten eine Rolle im Krankheitsverlauf spielen könnte, hat eine internationale Studiengruppe die Wirkung von Deferipron auf den Krankheitsverlauf untersucht.

Untersucht wurden 372 neu diagnostizierte Parkinson-Patienten, die noch nie Levodopa oder anderen dopaminergen Medikamenten behandelt wurden [1]. In der multizentrischen Phase-II-Studie erhielten 186 Teilnehmerinnen und Teilnehmer über 36 Wochen zweimal täglich 15 mg/kg Deferipron oral und 186 ein Placebo. Zugleich wurde solange auf eine dopaminerge Therapie verzichtet, wie dies von den Symptomen her vertretbar war.

Primärer Endpunkt war die Veränderung im Score der von 0 to 260 reichenden „Movement Disorder Society-sponsored revision of the Unified Parkinson’s Disease Rating Scale“ (MDS-UPDRS) in Woche 36. Die Skala erfasst motorische und nicht motorische Symptome, höhere Werte entsprechen einer stärkeren Beeinträchtigung. Der Ausgangswert lag in der Deferipron-Gruppe bei 34,3 und in der Placebo-Gruppe bei 33,2, und der Unterschied im Anstieg war mit 15,6 gegenüber 6,3 Punkten signifikant. Unter der Behandlung mit Deferipron verschlechterte sich somit der Zustand der Betroffenen stärker, und das, obwohl in einer Subgruppe gezeigt werden konnte, dass der mittels Magnetresonanztomographie ermittelte Eisengehalt in der Substantia nigra durchaus abnahm. Paradoxerweise nahm zugleich das Volumen der Basalganglien in der Placebogruppe ab und bei Menschen, die den Eisenchelator erhielten, zu. Unterschiede der Dichte des Dopamintransporters ergaben sich in der Bildgebung nicht.

Die Verschlechterung in der Verum-Gruppe zeigt sich auch darin, dass mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dieser Gruppe aufgrund von zunehmenden Symptomen eine Umstellung der Therapie wünschten. So musste bei 22 % im Verlauf eine dopaminerge Therapie eingeleitet werden, hingegen nur bei 2,7 % in der Placebo-Gruppe. Hinzu kam eine schlechte Verträglichkeit von Deferipron.

Fazit: Auch wenn die Substantia nigra von Menschen mit Morbus Parkinson vermehrt Eisen enthält, ist dessen Bedeutung unklar. Zumindest vermag eine eisenbindende Behandlung mit dem die Blut-Hirn-Schranke überwindenden Eisen-Chelator Deferipron den Krankheitsprogress bei noch Unbehandelten mit neu diagnostizierter Erkrankung nicht aufzuhalten. In der eben dargestellten aktuellen Studie schritt die Erkrankung darunter sogar schneller voran.

Das Projekt wurde durch das Forschungs- und Innovationsprogramm Horizont 2020 der Europäischen Union finanziert.

Link für Interessierte:

[1] Devos D, Labreuche J, Rascol O et al. Trial of Deferiprone in Parkinson's Disease. N Engl J Med. 2022 Dec 1;387(22):2045-2055.



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